Wurzeln sammeln ist keine Hexerei

Aktualisiert: 7. Apr.

Seit ewigen Zeiten werden Wurzeln als Heilsbringer eingesetzt






Wann sollte man Wurzeln sammeln?


Wurzeln soll man entweder im zeitigen Frühling oder aber im späten Herbst sammeln. Der Grund hierfür ist, dass man den Zeitpunkt abwarten soll wenn die Pflanze ihre gesamte Kraft in der Wurzel hat, also kurz bevor sie sprießt oder wenn sie sich vor dem Winterfrost in die Erde zurückgezogen hat.


Wenn die Kräuter ihre Kraft in die Wurzeln zurückziehen ist es Zeit sie zu ernten.

Diese Triebe haben eine antiseptische Wirkung und können so die Bildung von Bakterien hemmen. Ein Maiwipferl Hustensaft bzw. Sirup oder ein Maiwipferl-Tee transportiert Schleim ab und ist deshalb besonders bei Hustenerkrankungen geeignet. [1]




Welche Wurzeln man sammeln kann


Zu den wichtigsten Wurzeln zählen z.B. Löwenzahn, Baldrian, Beinwell, Engelwurz, Große Klette, Wegwarte und Echinacea.





 
 

Löwenzahnwurzel | lat. Taraxaci officinalis radix


Die Löwenzahnwurzel ist von den sieben hier erwähnten, wahrscheinlich die Wurzel, die man wegen ihrer weiten Verbreitung am leichtesten finden kann. Durch ihre Bitterstoffe hilft sie hervorragend bei der Leberentgiftung. Insgesamt wirken sich Bitterstoffe sehr positiv auf unsere Verdauung aus. [4]



Heilwirkung


Paradoxerweise können Bitterstoffe zum einen den Appetit anregen, zum anderen helfen den Heißhunger zu stillen, wenn man beispielsweise eine Diät macht. Musste man krankheitsbedingt Antibiotika einnehmen, wird empfohlen eine Löwenzahnwurzel-Kur zu machen um den Körper zu entgiften. Der hohe Kaliumgehalt in der Wurzel regt zudem die Harnausscheidung an. Die anregende Wirkung auf den Stoffwechsel erstreckt sich bis ins Zellstoffwechselgeschehen und bewirkt eine günstige Beeinflussung des gesamten Gewebes, vor allem des Bindegewebes. Damit zeigt sich, dass der Löwenzahn eines der besten Mittel ist um bei chronisch-rheumatischen Leiden helfend einzugreifen.



Bei Arthritis und Gicht hilft er ebenso und kann auch bei Diabetes unterstützend eingesetzt werden. Die Löwenzahnwurzel ist zudem blutreinigend, hilft bei Verdauungsstörungen, Bauchspeicheldrüsenschwäche, Harnwegsentzündungen und Altersdiabetes.1

Das Sammeln ist etwas schwierig, weil der Löwenzahn ein Tiefwurzler ist. Seine Pfahlwurzeln reichen oft bis zu 40 cm in den Boden. [5]

Die gereinigten Wurzeln, werden geschnitten, kommen in ein Glas und werden mit 70 oder 80%igen Alkohol aufgeschüttet. Diese Tinktur wird immer mal wieder geschüttelt, nach 4-6 Wochen abgeseiht und in eine beschriftete, dunkle Flasche abgefüllt. Die Tinktur ist ca. 2 Jahre verwendbar.



Inhaltsstoffe

Bitterstoffe, Sterole (Cumarine und Flavonoide sowie Sitosterol), Vitamine (A, B1, B2, B6, C und D), Mineralstoffe (besonders Kalium), Schleimstoffe, Cholin, Inulin (besonders in der Wurzel)




Empfohlene Dosierung


Löwenzahnkraut: mittlere Tagesdosis: 3-4mal täglich 4-10 g Droge.

Löwenzahnwurzel mit Kraut: mittlere Tagesdosis: 3mal täglich 3-4 g pro Tasse.

Löwenzahnwurzel: mittlere Tagesdosis: 4,5 g Droge.

Berechnungsgrundlage: 21 g Löwenzahnkraut, 10,5 g Löwenzahnwurzel mit Kraut, 4,5 g Löwenzahnwurzel. [7]





Beinwell | lat. Symphytum officinale


Seine Wurzeln sind außen dunkelbraun/schwarz und innen strahlend weiß. Hat man die Wurzel ausgegraben merkt man sofort welcher Inhaltsstoff am stärksten ausgeprägt ist. Seine Schleimstoffe lassen die Wurzel regelrecht durch die Hand ‘rutschen’. Beim Sammeln muss man nicht sonderlich aufpassen, da bereits ein kleiner Teil der Wurzel im nächsten Jahr neu austreibt.




Der Name Beinwell kommt aus dem altdeutschen und lässt schon auf seine Wirkung rückschließen. ‚Bein‘ steht für Knochen, ‚well‘ für wallen bzw. heilen. Auch der lateinische Name ‚Symphytum‘ –> symphein –> zusammenwachsen deutet auf die Heilkraft hin.



Der Beinwell und die Pyrrolizidinalkaloide (PA)


Die moderne Medizin hat im Beinwell die leberschädigenden Pyrrolizidinalkaloide (PA) entdeckt, seitdem ist die Heilpflanze leider in Ungnade gefallen. Dies ist auch der Grund warum von einer innerlichen Anwendung stark abgeraten werden muss.

Da die positive Heilwirkung aber in zahlreichen medizinischen Studien nachgewiesen wurde, kann eine äußerliche Anwendung empfohlen werden.




Heilwirkung


Neben Kieselsäure, Gerb- und Schleimstoffen, findet man im Beinwell eine hohe Konzentration an Allantoin, weswegen er gern bei entzündlichen Sportverletzungen wie Zerrungen, Stauchungen, Prellungen, Achillessehnenverletzungen und Sehnenscheidenentzündungen empfohlen wird. Das Allantoin löst Wundsekrete auf und regt das Gewebe zur Gewebeneubildung an. Keine andere Pflanze enthält so viel Allantoin wie der Beinwell. [2]



Heilanwendung


Mit der Beinwellwurzel setzt man sich ein Auszugsöl an, welches dann in Folge zu einer Salbe verarbeitet wird.

Aus eigener Erfahrung muss ich hier vom Kaltauszug abraten. Die Gefahr, dass das Öl kippt ist sehr hoch. Deswegen habe ich dieses Jahr einen Warmauszug gemacht und ich freue mich schon sehr demnächst meine neue Beinwellsalbe herzustellen.

Für den Warmauszug werden die Wurzeln gesäubert und kleingeschnitten. Dann werden sie mit einem hitzebeständigen hochwertigen Öl (Olivenöl, Sesamöl oder Jojobaöl) übergossen und zwischen 40° und 60°C einige Stunden ‚ausgezogen‘. (Ein Wasserbad tut hier gute Dienste) Dann lässt man das Ganze über Nacht abkühlen und wiederholt den Prozess am nächsten Tag. Am Ende wird das Öl durch ein Tuch oder einen Kaffeefilter abgeseiht, in eine dunkle Flasche gefüllt, beschriftet und möglichst kühl aufbewahrt. Für die Haltbarkeit muss man sich an das verwendete Öl halten. Kühl gelagert kann das Öl ca. ein Jahr lang verwendet werden.


Inhaltsstoffe


Allantoin, Schleimstoffe, Gerbstoffe, Asparagin, Alkaloide, ätherisches Öl, Flavonoide, Harz, Kieselsäure, Pyrrolizidinalkaloide


 

Können antivirale Kräuter wirklich helfen?

Um das zu beantworten muss man die Dinge aus einer andere Perspektive betrachten
 


Roter Sonnenhut-Wurzel | lat. Echinaceae radix


Die Echinacea, der rote Sonnenhut wiederum ist eine der besten Pflanzen um unser Immunsystem zu stärken und uns gegen allerlei Erkältungen zu schützen. Ich grabe hier die Wurzeln von 2 Pflanzen aus, das reicht meist für einen Jahresvorrat an Tinktur.

Sonnenhut ist eine traditionelle Heilpflanze der indianischen Ureinwohner Nordamerikas. Sie wurde gegen Entzündungen, Eiterungen und zur Wundbehandlung genutzt. Bei den Sioux-Indianern wurde Sonnenhut sogar gegen Schlangenbisse eingesetzt. [6]


 


Kräuterelixier 'Relax'

Entspannung und besserer Schlaf.

Mit Baldrianwurzel, Melisse, Lavendel und Hopfen.

 


 

Verkühlt, verschnupft, bedient?

Welche Kräuter sich am besten bei Husten, Schnupfen und Co. bewährt haben.
 


Allerdings habe ich vor kurzem bei einer Heilpraktikerin aus Deutschland folgenden Satz gelesen: Die innerliche Einnahme von Sonnenhut zur Steigerung der Abwehrkräfte ist inzwischen umstritten, weil bei vielen Anwendern, selbst bei monatelanger Einnahme, keine echte Wirkung eintrat. Bei der Behandlung von Wunden konnte eine klare Wirkung erzielt werden.




Da das Wurzelmaterial insgesamt viel härter und stärker als das Kraut ist, sollte man, wenn man Tinkturen ansetzt, einen stärkeren Alkohol verwenden. Ich verwende hier einen 70-80%igen Alkohol aus der Apotheke oder Ansatzkorn.


Inhaltsstoffe


ätherische Öle, Harz, Inulin, Kaffeesäure, Schleimstoffe, Vitamin C




Die Engelwurz | lat. Angelica


Die Engelwurz wird seit jeher als Heilkraut gegen Infektionen und Gifte eingesetzt. Sie war weiters Bestandteil des berühmten ‚Allheilmittels‘ Theriak sowie dem ‚Schwedenbitter‘ und anderen Likören. Bei Infektionen, Erkältungen und der Grippe kann die Engelwurz mit ihrem antibakteriellen, ätherischen Öl und ihren abwehrstärkenden Eigenschaften gute Dienste leisten.

Mit ihren tonisierenden Bitterstoffen wirkt sie anregend und hilft bei Schwächezuständen aller Art, seien sie psychischer und physischer Natur, vor Allem wenn sie altersbedingt sind. Bei Übermüdung durch beruflichen Stress vermittelt die Engelwurz ebenfalls Ausdauer und

Standfestigkeit. [3]








In unseren Wäldern findet man die echte Engelwurz 'Angelica archangelica' kaum. Die bei uns heimische und oft anzutreffende Wald Engelwurz hat leider nicht ganz so viele Inhaltsstoffe als die Echte, man kann aus ihrer Wurzel aber trotzdem eine Tinktur ausziehen.





Quellennachweise

[1-5] Miriam Wiegele ‘Die Kraft der Wurzeln’ Servus Verlag

[6] www.vorsichtgesund.de/glossary/sonnenhut-echinacea/

[7] www.kup.at/db/phytokodex/datenblatt/Loewenzahnwurzel.html


Gutes Gelingen und viel Spaß beim Nachmachen wünschen


Mike & The Muse