Der Giersch | Ein Kräuterportrait

Aktualisiert: 7. Apr.

Nur lästig und unbezwingbar oder gesund und heilend?



Bestimmung und Beschreibung


Botanik & Synonyme


Botanischer Name: Aegopodium podagraria

Deutscher Name: Giersch

Englischer Name: Bishop weed, Ground elder

Volkstümliche Namen: Dreiblatt, Erdholler, Geißfuß, Hinfuß, Podagariakraut, Zipperleinskraut

Familie: Doldenblütler (Apiaceae)

Sammelzeit: Blätter: Apr-Jun | Wurzel: Mär-Apr und Sep-Okt | Blütenstände: Mai-Aug

Mehrjährig



Aus der Sicht mancher Gärtner gilt der Giersch schlechthin als eines der lästigsten und unbezähmbarsten ‚Unkräuter‘. Tatsächlich scheint es unmöglich ihm den Garaus zu machen. Er wuchert regelrecht und in Windeseile schießen immer neue Triebe aus der Erde hervor.

Grund genug sich das Entfernen dieses ‚UN‘krautes zweimal zu überlegen, wurde er doch bereits in der Antike neben seiner Verwendung als Wildgemüse auch als Heilpflanze verwendet. Andere Quellen berichten sogar, dass die Menschen ihn bereits in der Steinzeit gegessen haben!

Weiters wurde er beizeiten auch in Königshäusern als geschätzte Delikatesse gereicht!


Sein Name allein gibt bereits Rückschlüsse auf sein Heilverhalten. Der Name (Aegopodium) leitet sich aus den griechischen Wörtern ‚aigeos‘ für Ziege und ‚podos‘ für Füßchen her, wegen der einem Ziegenfuß ähnelnden Kronblätter. Nach der mittelalterlichen Signaturenlehre ist er deshalb für die Behandlung von Gicht in Füßen geeignet.


Man findet den Giersch im gesamten europäischen Raum. Sollte er im eigenen Garten nicht anzutreffen sein, findet man ihn am ehesten an Wald- und Feldrändern, bei schattig-feuchten Gebüschen oder aber auf stickstoffreichen Böden.





Bestimmungsmerkmale


Als ausdauernde Staude erreicht er eine Höhe zwischen 30 und 90cm. Stängel: gefurcht, kahl, hohl und 3 kantig Blätter: länglich, eiförmig, doppelt dreizähnig (meist in 3er Gruppen angeordnet) Dolden: doppeldoldiger Blütenstand mit weißen fünfzähligen Blüten, 15-25 strahlig

DIE 3ER REGEL


“Drei, drei, drei – bist beim Giersch dabei.”

Eine Bauernregel hilft, den Giersch sicher zu identifizieren: “Drei, drei, drei – bist beim Giersch dabei.” Soll bedeuten: Er hat einen dreieckigen Stängel und drei mal drei Blätter. Deswegen wird er an manchen Orten auch Dreikraut genannt. Und wenn man seine Blätter zerreibt, riecht es nach Petersilie. Er hat keine rötlichen Flecken am Stängel, die sowohl der Gefleckte Schierling als auch der Kälberkropf aufweisen





Verwechslungsgefahr


Im Gegensatz zu allen ungenießbaren, ähnlich aussehenden Pflanzen (Doldenblütler die sehr häufig giftig bis stark-giftig sind) haben die Blätter einen drei-kantigen Stiel. Zusammen mit den typischen Blättern ist er – für mich – einer der wenigen Doldenblütler die ich nutzte, da er durch seine Merkmale gut zuzuordnen ist.



 

 

Die Heilkräfte des Giersch


Als Heilkraut spielt er in der heutigen Medizin kaum noch eine Rolle da man in ihm außer einer, dem Kalium zuzuschreibenden Wirkung der Entwässerung, keine weiteren Inhaltsstoffe nachweisen konnte. In früheren Zeiten hatte er allerdings große Bedeutung bei Rheuma, Gicht oder Arthritis. Auch gegen eine Blasenreizung oder bei einer Blasenentzündung kann der Giersch mit seinem entwässernden Kalium helfen. Wie auch der Spitzwegerich, kann er bei schmerzhaften Mückenstichen helfen. Auch bei Sonnenbrand kann man die zerquetschten Blätter auflegen.



Hauptanwendungen


Schlecht heilende Wunden


Anwendungsbereiche


Innerlich: Frühjahrskur, Tee, Tinktur, Frischsaft, frisches Kraut gegen Rheuma und Gicht

Äußerlich: Badezusatz (Zubereitung wie Tee) als Sitzbad gegen Hämorrhoiden. Umschläge (frisch zerquetschtes Kraut) auf die betroffene Körperstelle gegen Gicht und Rheuma


Heilwirkung


mild abführend, anti rheumatisch, entzündungshemmend, blutreinigend, harntreibend, Harnsäure lösend





Inhaltsstoffe


Ätherisches Öl, Flavonolglycoside, Ascorbinsäure, Cumarine, Kalium, Magnesium, Calcium, Mangan, Zink, Kupfer, Vitamin A, C und E





Küche



Der Giersch gehört zu den besten Wildgemüsen überhaupt. Wegen seiner langen Verfügbarkeit (Mär-Okt), seiner geringen Ansprüche an Wasser, Licht und Bodenbeschaffenheit und seinen hohen Werten an Kalium, Vitamin C, Karotin und Eisen hat er in vergangenen Zeiten oft als ‚Notgemüse‘ und Vitaminlieferant gedient.

Roh gegessen schmeckt er leicht nach Petersilie, und kann hervorragend als Suppenwürze oder als Beigabe zum Salat eingesetzt werden, ebenso macht er sich hervorragend in Kräuteraufstrichen und grünen Smoothies.

Auch ist er Teil der bekannten Gründonnerstag Suppe auch Neunerlei-Kräutersuppe genannt.


Rezept für Giersch-Bärlauch Palatschinken






Quellennachweise:


www.heilkraeuter.de/lexikon/gunder.htm

www.kraeuter-buch.de/kraeuter/Gundermann.html

www.vorsichtgesund.de/glossary/gundermann-glechoma-hederacea/

www.kostbarenatur.net/anwendung-und-inhaltsstoffe/gundermann/

www.pflanzen-vielfalt.net/wildpflanzen-a-z/%C3%BCbersicht-a-h/gundermann-gew%C3%B6hnlicher/



Viel Spaß beim Sammeln


Mike & The Muse



 

WICHTIGER HINWEIS | DISCLAIMER


Die Beschreibung der Kräuter und Gewürze stammt aus alten Überlieferungen und der traditionellen Volkskunde, sie sollen als Ergänzungen zur Schulmedizin verstanden werden und ersetzen nicht die ärztliche Meinung. Auch Hausmittel können Nebenwirkungen haben und sind nicht generell für jeden geeignet. Sprechen Sie deshalb vor der


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