PROFI-TIPP 'BOTANIK': Gehölze in der Winterruhe

Aktualisiert: 7. Apr.

Sommergrüne Gehölze in der Winterruhe zu erkennen stellt eine Herausforderung dar.




Nicht erst seit der Renaissance der Gemmotherapie stellt das Erkennen der sommergrünen Gehölze in der Winterruhe für den zivilisierten Menschen mitunter eine Herausforderung dar. Es soll nicht unerwähnt bleiben, dass eine Vorkenntnis des Baumes oder Strauchs im Blätterkleid für die Identifizierung förderlich ist. Aber wie allgemein beim Bestimmen von Pflanzenarten, steht uns bei entblätterten Gehölzen ebenso eine Fülle an Merkmalen zur Verfügung. Will man eine Pflanzenart verinnerlichen, so beobachtet man sie im gesamten Jahreslauf.







Winterknospen


Im Zentrum beim Erkennen der Gehölze in der Winterruhe stehen die Winterknospen, die sich einerseits zu beblätterten Trieben entwickeln, während in den oft größeren Blütenknospen die noch geschlossenen Blüten ruhen.


Meist sind die Winterknospen durch derbe Knospenschuppen vor Frost und Austrocknung geschützt (Abb.1)

Seltener sind sie nackt, wie beim Wolligen Schneeball (Abb.2) Beim Schwarzen Holunder wiederum sind die Knospen bereits im Winter fast immer angetrieben.




Wenn wir uns vor Augen führen, dass Seitentriebe in der Regel immer aus den Achseln der Laubblätter entspringen, so können wir von der Stellung der Blattknospen auch auf die Blattstellung schließen: zum Beispiel haben Ahorn-Arten, die Kornelkirsche oder der Liguster gegenständige Blätter (Abb.3/4), hier stehen sich also immer zwei Blätter paarweise am Zweig gegenüber, während etwa Weiden-Arten, die Rotbuche oder die Edelkastanie wechselständige Blätter besitzen, die am Zweig immer einzeln ansitzen (Abb.5/6).


Die Blattstellung, die sich in der Anordnung der Knospen widerspiegelt, können wir also auch im Winter als gutes Merkmal nutzen.



Blattnarben


Ein Beleg für das Entspringen der Triebe aus den Achseln der Blätter sind die Blattnarben, die bei sommergrünen Gehölzen nach dem Abfallen der Blätter am Zweig übrigbleiben und meist direkt unter den Knospen zu finden sind.


Blattnarben liefern ein weiteres wichtiges Merkmal und haben wie z.B. bei der Echten Walnuss eine sehr markante Form.

Die Leitbündel, die ehemals den Stofftransport vom und zum Batt gewährleisteten, bleiben in der Blattnarbe als Punkte oder Striche („Spuren“) sichtbar, ihre Anzahl und Form sind oft ebenso signifikant (Abb.7/8).




Die Rinde


Nun wenden wir uns der Rinde zu, genauer gesagt, ihrer aus abgestorbenen Korkzellen bestehenden und im Fachjargon als Borke bezeichneten äußeren Schicht.


Die Borke reißt durch das Dickenwachstum der Äste und Stämme meist in charakteristischer Weise auf und schuppt sich laufend ab.

Eine Ausnahme bilden die Rotbuche und die Hainbuche, deren Rinde dem Dickenwachstum durch Dehnung zu folgen vermag, wodurch die Stämme glatt bleiben. Die Birken sind wohl auch für AnfängerInnen leicht an der Rinde zu erkennen, während das bei anderen Gehölze in Abhängigkeit des Wachstumsstadiums nicht immer ganz so leicht ist.









Unser detektivischer Spürsinn lenkt unsere Aufmerksamkeit auch auf etwaige Früchte vom Vorjahr. Hier kommen z.B. übriggebliebene Beerenfrüchte ins Spiel (Abb.9), oder die Erlen-Arten, deren verholzte „Zapfen“ oft noch im Winter im Geäst zu finden sind. (Abb.10)





Die Blütezeit


Die Liste der Merkmale setzt sich mit der Blütezeit fort: bei der Hasel oder Ulmen-Arten z.B. erscheinen die Blüten vor dem Austreiben der Laubblätter, während viele andere Gehölze mit oder nach dem Laubaustrieb zu blühen beginnen. Die abgefallenen Laubblätter in der Laubstreu am Fuße der Bäume und Sträucher führen die Bestimmung schließlich als letzte Bestätigung zum Ziel. (Ab.11/12)




Es ist die Gesamtheit der Merkmale, die uns beim Bestimmen der Gehölze in der Winterruhe von Jahr zu Jahr sicherer werden lässt. Die Vorfreude auf den Frühling wird genährt und das genaue Betrachten der Bäume und Sträucher ist ein wichtiger Schritt, um sich dem Wesen der Pflanzen zu nähern.


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Fotos ©Bernhard Gutmann


Abb.01 – Rotbuche (Fagus sylvatica)

Abb.02 – Wolliger Schneeball (Viburnum lantana)

Abb.03 – Gewöhnlicher Liguster (Ligustrum vulgare)

Abb.04 – Gewöhnlicher Liguster (Ligustrum vulgare)

Abb.05 – Edelkastanie (Castanea sativa)

Abb.06 – Edelkastanie (Castanea sativa)

Abb.07 – Echte Walnuss (Juglans regia)

Abb.08 – Berg-Ahorn (Acer pseudoplatanus)

Abb.09 – Gewöhnlicher Schneeball (Viburnum opulus)

Abb.10 – Grau-Erle (Alnus incana)

Abb.11 – Zitter-Pappel (Populus tremula)

Abb.12 – Stiel-Eiche (Quercus robur)


 

Wichtiger Hinweis | Disclaimer


Die Beschreibung der Kräuter und Gewürze stammt aus alten Überlieferungen und der traditionellen Volkskunde, sie sollen als Ergänzungen zur Schulmedizin verstanden werden und ersetzen nicht die ärztliche Meinung. Auch Hausmittel können Nebenwirkungen haben und sind nicht generell für jeden geeignet. Sprechen Sie deshalb vor der Anwendung mit Ihrem Arzt oder Apotheker. Bei akuten Beschwerden, die länger als eine Woche andauern oder periodisch wiederkehren, wird die Rücksprache mit einem Arzt empfohlen.

 


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