Wurzeln sammeln im Herbst ist keine Hexerei

Wurzeln sammeln im Herbst

Wenn sich die Kräuter in die Erde zurückziehen ist es Zeit ihre Wurzeln zu ernten


Seit ewigen Zeiten werden Wurzeln als Heilsbringer eingesetzt

Wann sammeln?

Wurzeln soll man entweder im zeitigen Frühling oder aber im späten Herbst sammeln. Der Grund hierfür ist, dass man den Zeitpunkt abwarten soll wenn die Pflanze ihre gesamte Kraft in der  Wurzel hat, also kurz bevor sie sprießt oder wenn sie sich vor dem Winterfrost in die Erde zurückgezogen hat.

Welche Wurzeln können geerntet werden?

Zu den wichtigsten Wurzeln zählen z.B. Löwenzahn, Baldrian, Beinwell, Engelwurz, Große Klette und Echinacea.

 

Löwenzahnwurzel ‚Taraxum officinalis‘

Die Löwenzahnwurzel ist von den sechs hier erwähnten, wahrscheinlich die Wurzel, die man wegen ihrer weiten Verbreitung am leichtesten finden kann.
Durch ihre Bitterstoffe hilft sie hervorragend bei der Leberentgiftung. Insgesamt wirken sich Bitterstoffe sehr positiv auf unsere Verdauung aus.

 

Löwenzahnwurzel

Löwenzahnwurzel wird getrocknet

Paradoxerweise können sie zum einen den Appetit anregen, zum anderen können sie helfen den Heißhunger zu stillen, wenn man beispielsweise eine Diät macht. Musste man krankheitsbedingt Antibiotika einnehmen, wird empfohlen eine Löwenzahnwurzel-Kur zu machen um den Körper zu entgiften. Der hohe Kaliumgehalt in der Wurzel regt zudem die Harnausscheidung an.
Die anregende Wirkung auf den Stoffwechsel erstreckt sich bis ins Zellstoffwechselgeschehen und bewirkt eine günstige Beeinflussung des gesamten Gewebes, vor allem des Bindegewebes. Damit zeigt sich, dass der Löwenzahn eines der besten Mittel ist um bei chronisch-rheumatischen Leiden helfend einzugreifen.
Bei Arthritis und Gicht hilft er ebenso und kann auch bei Diabetes unterstützend eingesetzt werden. Die Löwenzahnwurzel ist zudem blutreinigend, hilft bei Verdauungsstörungen, Bauchspeicheldrüsenschwäche, Harnwegsentzündungen und Altersdiabetes.1

Das Sammeln ist etwas schwierig, weil der Löwenzahn ein Tiefwurzler ist. Seine Pfahlwurzeln reichen oft bis zu 40 cm in den Boden.

Die gereinigten Wurzeln, werden geschnitten, kommen in ein Glas und werden mit 70%igen Alkohol aufgeschüttet. Diese Tinktur wird immer mal wieder geschüttelt, nach 4-6 Wochen abgeseiht und in eine beschriftete, dunkle Flasche abgefüllt. Die Tinktur ist ca. 2 Jahre verwendbar.

Inhaltsstoffe

Bitterstoffe, Sterole (Cumarine und Flavonoide sowie Sitosterol), Vitamine (A, B1, B2, B6, C und D), Mineralstoffe (besonders Kalium), Schleimstoffe, Cholin, Inulin (besonders in der Wurzel)

 


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Beinwell, ‚Symphytum officinale‘, seine Wurzeln helfen gegen Sportverletzungen

Der Name Beinwell kommt aus dem altdeutschen und lässt schon auf seine Wirkung rückschließen. ‚Bein‘ steht für Knochen, ‚well‘ für wallen bzw. heilen. Auch der lateinische Name ‚Symphytum‘ –>symphein –>zusammenwachsen deutet auf die Heilkraft hin.

Wurzeln - Beinwell
frisch geerntete Beinwellwurzel

 

Die moderne Medizin hat im Beinwell die leberschädigenden Pyrrolizidinalkaloide (PA) entdeckt, seitdem ist die Heilpflanze leider in Ungnade gefallen. Dies ist auch der Grund warum von einer innerlichen Anwendung stark abgeraten werden muss.

Da die positive Heilwirkung aber in zahlreichen medizinischen Studien nachgewiesen wurde, kann eine äußerliche Anwendung empfohlen werden.

Neben Kieselsäure, Gerb- und Schleimstoffen, findet man im Beinwell eine hohe Konzentration an Allantoin, weswegen er gern bei entzündlichen Sportverletzungen wie Zerrungen, Stauchungen, Prellungen, Achillessehnenverletzungen und Sehnenscheidenentzündungen empfohlen wird. Das Allantoin löst Wundsekrete auf und regt das Gewebe zur Gewebeneubildung an. Keine andere Pflanze enthält so viel Allantoin wie der Beinwell.2

Seine Wurzeln sind außen dunkelbraun/schwarz und innen strahlend weiß. Hat man die Wurzel ausgegraben merkt man sofort welcher Inhaltsstoff am stärksten ausgeprägt ist. Seine Schleimstoffe lassen die Wurzel regelrecht durch die Hand ‚rutschen‘. Beim Sammeln muss man nicht sonderlich aufpassen, da bereits ein kleiner Teil der Wurzel im nächsten Jahr neu austreibt.

Mit der Beinwellwurzel setzt man sich ein Auszugsöl an, welches dann in Folge zu einer Salbe verarbeitet wird.

Aus eigener Erfahrung muss ich hier vom Kaltauszug abraten. Die Gefahr, dass das Öl kippt ist sehr hoch. Deswegen habe ich dieses Jahr einen Warmauszug gemacht und ich freue mich schon sehr demnächst meine neue Beinwellsalbe herzustellen.

Für den Warmauszug werden die Wurzeln gesäubert und kleingeschnitten. Dann werden sie mit einem hitzebeständigen hochwertigen Öl (Olivenöl, Sesamöl oder Jojobaöl) übergossen und zwischen 40° und 60°C einige Stunden ‚ausgezogen‘.  (Ein Wasserbad tut hier gute Dienste) Dann lässt man das Ganze über Nacht abkühlen und wiederholt den Prozess am nächsten Tag.
Am Ende wird das Öl durch ein Tuch oder einen Kaffeefilter abgeseiht, in eine dunkle Flasche gefüllt, beschriftet und möglichst kühl aufbewahrt.
Für die Haltbarkeit muss man sich an das verwendete Öl halten. Kühl gelagert kann das Öl ca. ein Jahr lang verwendet werden.


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Inhaltsstoffe

Allantoin, Schleimstoffe, Gerbstoffe, Asparagin, Alkaloide, ätherisches Öl, Flavonoide, Harz, Kieselsäure, Pyrrolizidinalkaloide

 

Der rote Sonnenhut ‚Echinacea purpurea‘,  mit seinen Wurzeln das Immunsystem stärken

Die Echinacea, der rote Sonnenhut wiederum ist eine der besten Pflanzen um unser Immunsystem zu stärken und uns gegen allerlei Erkältungen zu schützen. Ich grabe hier die Wurzeln von 2 Pflanzen aus, das reicht meist für einen Jahresvorrat an Tinktur.

Wurzeln - Echinacea
Echinaceawurzel

 

Sonnenhut ist eine traditionelle Heilpflanze der indianischen Ureinwohner Nordamerikas. Sie wurde gegen Entzündungen, Eiterungen und zur Wundbehandlung genutzt. Bei den Sioux-Indianern wurde Sonnenhut sogar gegen Schlangenbisse eingesetzt. 6

Allerdings habe ich vor kurzem bei einer Heilpraktikerin aus Deutschland folgenden Satz gelesen:

Die innerliche Einnahme von Sonnenhut zur Steigerung der Abwehrkräfte ist inzwischen umstritten, weil bei vielen Anwendern, selbst bei monatelanger Einnahme, keine echte Wirkung eintrat. Bei der Behandlung von Wunden konnte eine klare Wirkung erzielt werden.

Da das Wurzelmaterial insgesamt viel härter und stärker als das Kraut ist, sollte man, wenn man Tinkturen ansetzt, einen stärkeren Alkohol verwenden. Ich verwende hier einen 70%igen Alkohol aus der Apotheke.

Inhaltsstoffe

ätherische Öle, Harz, Inulin, Kaffeesäure, Schleimstoffe, Vitamin C

Die Engelwurz ‚Angelica archangelica‘

Die Engelwurz wird seit jeher als Heilkraut gegen Infektionen und Gifte eingesetzt. Sie war weiters Bestandteil des berühmten ‚Allheilmittels‘ Theriak sowie dem ‚Schwedenbitter‘ und anderen Likören. Bei Infektionen, Erkältungen und der Grippe kann die Engelwurz mit ihrem antibakteriellen, ätherischen Öl und ihren abwehrstärkenden Eigenschaften gute Dienste leisten.

Die Wurzel der Engelwurz

Mit ihren tonisierenden Bitterstoffen wirkt sie anregend und hilft bei Schwächezuständen aller Art, seien sie psychischer und physischer Natur, vor Allem wenn sie altersbedingt sind. Bei Übermüdung durch beruflichen Stress vermittelt die Engelwurz ebenfalls Ausdauer und Standfestigkeit.3

Inhaltsstoffe

ätherische Öle, Angelicin, Bergapten, Bitterstoffe, Furanocumarine, Imperatorin, Kaffeesäure, Harze, Flavone

 


Hier geht’s zu einem weiteren Beitrag zum Thema Erkältungen & Co.

Immunsystem stärken – Die besten Kräuter


 

Die große Klette ‚Arctium lappa‘, die ‚bärige‘ unter den Wurzeln

Früher galten grobe Pflanzen, die mit ihrem Äußeren Vitalität ausstrahlen, als Bärenpflanzen. Hildegard von Bingen empfahl die Klette gegen ‚grindige‘ Hauterkrankungen und in der traditionellen chinesischen Medizin wendet man die Tinktur aus Samen gegen Schuppenflechte und andere schuppende Hauterkrankungen an.

Wurzeln - große Klette
Klettenwurzel

Hierzulande wird traditionell die Wurzel verwendet. Das Sammeln der Wurzel stellt sich als wahrer Kraftakt heraus. Die starke Pfahlwurzel wehrt sich ordentlich gegen das heraus graben.

Die Klette besitzt zudem blutreinigende Eigenschaften.

Aus der Klettenwurzeltinktur (70% Alk.) kann man, gemeinsam mit einer Brennnesseltinktur (oder auch Brennnesselsamentinktur) ein Haarwasser herstellen. Die Tinkturen werden im Verhältnis 2:10 mit Rosenwasser vermischt und nach der Haarwäsche in die Kopfhaut einmassiert. Das Haarwasser soll dem Haarausfall entgegenwirken.4

Inhaltsstoffe

Inulin (Lignane), Schleimstoffe, Fettsäuren, Phosphorsäure, Gerbsäure, fettes Öl, ätherisches Öl, antibiotisch wirkenden Stoffe


Wie du Kräuter richtig sammelst und trocknest

5 clevere Tipps zum Kräutersammeln

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Baldrian ‚Valeriana officinalis‘

Die Baldrianwurzel wird vor allem wegen ihrer beruhigenden Wirkung geschätzt. Erst nach der Entdeckung einiger charakteristischer Inhaltsstoffe der Pflanzenfamilie der Valerianacea wie z.B. der Valepotriate, wurde der Baldrian auch von der Wissenschaft anerkannt.

Wurzeln
Baldrianwurzel

Baldrian wirkt nicht gleich schlaffördernd. Tatsächlich wirkt er sich auf die allgemeine Entspannung aus und fördert dadurch die natürliche Einschlafbereitschaft.

Weil er eben nicht schläfrig macht, kann man Baldrian auch gegen Prüfungsangst einsetzen. Erwähnenswert ist auch der Umstand, dass Baldrian anregend bei Erschöpfung und gleichsam entspannend bei Überreizung wirkt.

Aus dem Baldrian bereitet man eine Frischpflanzentinktur zu. Die Wurzeln werden gesäubert, klein geschnitten und in einem Glas mit 70%igen Alkohol aufgegossen. Diese Tinktur sollte in einem dunklen Raum 4-6 Wochen ausgezogen werden, danach abgeseiht und in einer dunklen Flasche aufbewahrt werden.

Bezüglich der Dosierung gehen die Meinungen auseinander. Die Wissenschaft geht davon aus, dass 30 Tropfen benötigt werden um die gewünschte Wirkung zu erzielen. Die Phytotherapie rät hingegen eine Dosis von 3-7 Tropfen vor dem Schlafengehen und 1-3 x täglich 2-5 Tropfen bei Nervosität.5

Inhaltsstoffe

ätherische Öle, Valerensäure, Baldriansäure, Sesquiterpene, Arnikaflavon, Bitterstoffe, Gerbstoffe, Harz, Alkaloide

 

Viel Erfolg beim Sammeln und Verarbeiten

Mike & The Muse

 

Quellen

1-5: Miriam Wiegele ‚Die Kraft der Wurzeln‘ Servus Verlag
6: www.vorsichtgesund.de/glossary/sonnenhut-echinacea/

 


Wichtiger Hinweis | Disclaimer

Die Beschreibung der Kräuter und Gewürze stammt aus alten Überlieferungen und der traditionellen Volkskunde, sie sollen als Ergänzungen zur Schulmedizin verstanden werden und ersetzen nicht die ärztliche Meinung. Auch Hausmittel können Nebenwirkungen haben und sind nicht generell für jeden geeignet. Sprechen Sie deshalb vor der Anwendung mit Ihrem Arzt oder Apotheker. Bei akuten Beschwerden, die länger als eine Woche andauern oder periodisch wiederkehren, wird die Rücksprache mit einem Arzt empfohlen.


 

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