Der Schlehdorn-Ein Kräuterportrait

Der Schlehdorn – Ein Kräuterportrait

Eine wertvolle Nahrungs- und Heilpflanze

 

Botanik & Synonyme

Volksnamen: Schlehe, Bockbeerli, Dornschleha, Effken, Hageldorn, Haferpflaume, Kietschkepflaumen, Saudorn, Schlaia,  Schliehen, Schlingenstrauch, Schlinken, Schwarzdorn
Lat: Prunus spinosa (Druparia spinosa)
Engl.: Blackthorn
Fam.: Rosengewächse = Rosaceae

Blütezeit/Sammelzeit:

Blüten: April und Mai
Wurzelrinde: Oktober und November
Früchte: Spätherbst und Winter

Verwendete Pflanzenteile: Blüten, Wurzelrinde, Früchte

Der Blütenduft des Schlehdorns im Frühjahr ist betörend und erinnert ein wenig an Mandeln

 

 

Beschreibung, Mythologie und Volksglauben des Schlehdorns

Unser Schlehdorn hat uns die ersten Jahre auf der Artfarm lediglich wegen dem wunderbaren Duft im Frühjahr fasziniert. Im Herbst, wenn die Früchte reif waren und blau leuchteten, waren wir mit dem Ernten immer langsamer als die Vogelwelt. Dabei hat der Schlehdorn viel mehr zu bieten als einen wunderbaren Geruch und blaue Früchte im Herbst.

Der Name der Schlehe ist wohl auf die Farbe ihrer Frucht zurückzuführen und leitet sich von dem indogermanischen Wort (S)li ab, was „bläulich“ bedeutet. Der deutsche Name „Schlehe“ kommt wohl aus dem Altdeutschen, dort stand das Wort „schleh“ für den typischen Geschmack der unreifen Früchte.

Bei Ausgrabungen frühzeitlicher Siedlungen fanden sich getrocknete Schlehenfrüchte und Kerne und auch Ötzi trug Schlehen bei sich. Heutige Zwetschgen, Mirabellen und Pflaumen sind Züchtungen aus dem ursprünglichen Schlehdorn.

Im Mittelalter wurde aus der Rinde Tinte gewonnen. Dazu musste die Rinde von den Zweigen geklopft und in Wasser eingelegt werden. Nach drei Tagen wurde das Wasser abgegossen, aufgekocht und erneut über die Rinde gegossen. Dieser Vorgang wurde solange wiederholt, bis die Rinde vollkommen ausgelaugt und alle farbgebenden Substanzen gelöst waren. Danach wurde die Flüssigkeit mit Wein versetzt und eingekocht.

Die weißen Blüten stehen im krassen Gegensatz zur schwarzen Rinde des Baumes. Deshalb dachten die Menschen früher, dass der Baum für das Leben (Blüten) und den Tod (Rinde) stehen würde. Die Schlehe wird aufgrund ihrer schwarzen Rinde auch Schwarzdorn genannt.


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Viele Mythen ranken sich um diese Pflanze: Er soll das Wetter vorhersagen, vor Hexen schützen und als ihm unterstellt wurde seine dornigen Zweige für die Dornenkrone Jesu bereitgestellt zu haben, soll Gott höchstpersönlich als Unschuldsbeweis unzählige weiße Blüten über dem Strauch ausgeschüttet haben.

Obwohl Schlehdorn den großen Ärzten der griechischen und römischen Antike bekannt war, ist er eher eine Pflanze für die Volks- und Erfahrungsheilkunde geblieben. Dort hieß es früher: “Drei Blütenstengel vom Schlehdorn, je dreimal hintereinander gegessen, schützen das ganze Jahr vor Fieber und Gicht.”

Den Zweigen der Schlehe wurden in früherer Zeit Schutzkräfte zugesprochen. Diese wurden besonders in der Walpurgisnacht geschätzt, weshalb man Schlehenzweige in Hof und Stall aufhängte. Schlehdorn wurde früher von den Bauern benutzt, um Ernte und Wetter vorhersagen zu können. Unter anderem zählte man die Tage, die zwischen dem Erblühen der Schlehe und dem 23. April – dem Georgi-Tag – lagen, um den genauen Erntetermin der Getreideernte um den Jakobi-Tag (25. 07.) zu bestimmen.

Von den Früchten des Schlehdorns ernähren sich etwa 20 Vogelarten, darunter auch Meisen und Grasmücken. Schlehenhecken bieten speziell Strauchbrütern einen idealen Lebensraum. Diesen nutzt zum Beispiel der selten auftretende Neuntöter. Er spießt an den Dornen der Schlehe seine Beutetiere wie Insekten oder Mäuse auf.

Nicht nur für Vögel und uns Menschen ist die Schlehe eine wertvolle Pflanze, auch für viele Tiere wie Igel, Haselmaus ist Schwarzdorn mit seinem dichten, dornigen Gestrüpp ein wichtiger Schutz- und Rückzugsort vor Fraßfeinden. Im frühen Frühjahr zur Blüte ist er eine wichtige Nahrungsquelle für Bienen und Schmetterlinge.

 


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Die Heilkräfte des Schlehdorns

Die Blüten, Rinde und Früchte wirken adstringierend (zusammenziehend), harntreibend, schwach abführend, fiebersenkend, magenstärkend und entzündungshemmend. Ein Blütenaufguss wird besonders bei Kindern bei Durchfallerkrankungen, bei Blasen- und Nierenproblemen und Magenbeschwerden eingesetzt. Schlehenelixier gilt als geeignetes Stärkungsmittel nach Infektionskrankheiten. Sie hilft Blutungen zu stillen und kann bei Rheuma, Gelbsucht, gestörter Nierenfunktion sowie Harngrieß und Nierensteinen helfen. Dafür wird Schlehensaft getrunken oder Beerenmus gegessen. Eine Tinktur aus den Beeren kann bei Schließmuskelschwäche und Bettnässen helfen. Ebenso kann man sie bei Zahnfleischbluten und Zahnentzündungen wie Kaugummi kauen.

In der Naturheilkunde setzt man Schlehdornblüten als Tee auch zur Unterstützung des Stoffwechsels ein. Schon Kräuterpfarrer Kneipp schrieb: „Schlehenblüten sind das harmloseste Abführmittel, das es gibt“. Zudem kann ein Schlehenblüten Tee als schweißtreibendes Mittel Fieber senken. Auch bei Hautproblemen, Verschleimung und gegen geschwollene Füße kann der Schlehenblüten-Tee helfen. Die Früchte kann man zu Mus verarbeiten, das gegen Verstopfung hilft. Gegen Fieber kann man die Rinde der Wurzel als Abkochung trinken. Die Wurzelrinde der Schlehe wurde gegen Wechselfieber (Malaria) eingesetzt, welche früher auch in Südeuropa stark verbreitet war.

 

Haupt-Anwendungen: Verdauungsprobleme

 Heilwirkung: Schleimlösend, krampflösend, blutstillend, entzündungshemmend, fiebersenkend, harntreibend, kräftigend, verdauungsanregend, zusammenziehend

Anwendungsbereiche: Atemwegsbeschwerden, Blasenleiden, Blutreinigung, Hautausschläge, Hautunreinheiten, Herzschwäche, Husten, Magenkrämpfe, Magenschwäche, Ödeme, Prostatavergrösserung, Verstopfung, Wassersucht, Erkältungen, Fieber, Frühjahrsmüdigkeit, Harnsteine, Harnwegsentzündungen, Magenschleimhautentzündungen, Nierenprobleme, Nierensteine, Rekonvaleszenz, Rheuma, Zahnfleischentzündungen

Inhaltsstoffe: Gerbstoffe, Amygdalin, Emulsin, Fruchtsäuren, Vitamin C, Nitritglykosid, fettes Öl, Apfelsäure, Glykoside, wenig Blausäure

 


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Hausapotheke und Küche

Erst nach ein paar Frostnächten sind Schlehen verzehrbar, vorher sind sie so bitter-sauer, dass sich beim Versuch sie zu essen alles im Mund zusammenzieht. Wenn man die Fröste nicht abwarten willst, kannst man die Beeren auch für ein paar Tage ins Gefrierfach legen. Durch den Frost verlieren sie einen Großteil der bitter schmeckenden und adstringierend wirkenden Gerbstoffe und sie werden leicht süßlich.

 Hausapotheke:

 Aus den zarten Blüten der Schlehe lässt sich ein wohlschmeckender Tee bereiten. Er kann als Frühjahrskur und zur Kräftigung nach Krankheit täglich getrunken werden. Weiterhin unterstützt dieser Tee bei Erkältung, Fieber, zur Magenstärkung, bei Verstopfung und krampfartigen Schmerzen. Pfarrer Kneipp verwendete ihn vor allem als unschädliches Abführmittel, welches auch für Kinder geeignet ist.

 Zubereitung:

Einen Esslöffel getrockneter oder frischer Blüten mit 200 ml 60-70 °C heißem Wasser übergießen und zugedeckt zehn Minuten ziehen lassen. Die Blüten werden einfach mitgetrunken. Aus den Blättern wird ein Tee gegen Nierenleiden sowie Blasen- und Darmkatarrh bereitet. Dafür einen Esslöffel getrockneter oder frischer Blätter mit 250 ml kochendem Wasser übergießen und fünf Minuten ziehen lassen.

 Küche:

Schlehen können zu Mus gekocht oder entsaftet werden. Schlehensaft wird zu Gelee weiterverarbeitet oder es wird daraus Likör, Schlehenbrand oder Schlehengeist hergestellt. Die gesunden Früchte schmecken auch pur direkt vom Strauch, wobei die Kerne nicht mitgegessen werden sollten. Im Frühjahr eignen sich die feinen, weißen Schlehdornblüten als Gewürz in Nachspeisen. Die zarten Blätter im Mai können frisch wie getrocknet als Brat- & Kochgewürz genutzt werden. Die Blüten können auch als essbare Dekoration genutzt werden, oder aber, mit Zuckerwasser benetzt und anschließend getrocknet, als kandierte Nascherei erfreuen.

 



 

Schlehdorn Likör

Für ca. einen Liter selbst gemachten Schlehenlikör benötigt man folgende Zutaten:

200 g Schlehen

175 g weißen Kandis

Vanilleschote

1 Zimtstange

700 ml Korn

 

Die Schlehen putzen, waschen und gut abtropfen lassen. Danach die Schlehen mit einem scharfen Messer einritzen. Die Beeren in ein großes, verschließbares Glasgefäß mit genügend Füllvermögen (mehr als 1 Liter) geben. Anschließend den Kandis, die aufgeschnittene Vanilleschote und die Zimtstange hinzufügen und mit Korn übergießen. Den Schlehenlikör an einem kühlen Ort für ca. 6-8 Wochen ziehen lassen. Nach der Ziehzeit den Likör durch ein feinmaschiges Sieb gießen und die Beeren leicht ausdrücken. Den Likör danach in sterile Glasflaschen füllen und fest verschließen.

 

Achtung!

Die Kerne enthalten Blausäure und sollten daher nicht mit verzehrt werden!

 

 Quellen:

www.kraeuter-verzeichnis.de/kraeuter/Schlehdorn.htm

www.pflanzen-vielfalt.net/b%C3%A4ume-str%C3%A4ucher-a-z/schlehdorn/

heilkraeuter.de/lexikon/schlehdo.htm

www.kostbarenatur.net/anwendung-und-inhaltsstoffe/schwarzdorn-schlehe/

www.kraeuter-verzeichnis.de/kraeuter/Schlehdorn.htm
www.vorsichtgesund.de/glossary/schlehdorn-prunus-spinosa/

 

 


Wichtiger Hinweis | Disclaimer

Die Beschreibung der Kräuter und Gewürze stammt aus alten Überlieferungen und der traditionellen Volkskunde, sie sollen als Ergänzungen zur Schulmedizin verstanden werden und ersetzen nicht die ärztliche Meinung. Auch Hausmittel können Nebenwirkungen haben und sind nicht generell für jeden geeignet. Sprechen Sie deshalb vor der Anwendung mit Ihrem Arzt oder Apotheker. Bei akuten Beschwerden, die länger als eine Woche andauern oder periodisch wiederkehren, wird die Rücksprache mit einem Arzt empfohlen.


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